Twinspector – Konstellation für 3D-Satellitenbilder

Das deutsche Technologieunternehmen LiveEO bringt eine eigene Satellitenkonstellation zur Überwachung kritischer Infrastrukturen ins All und setzt damit einen Meilenstein für Deutschland als Standort der kommerziellen Raumfahrt. Mit dieser Mission schließt das Unternehmen eine entscheidende Lücke im europäischen Markt für hochauflösende Erdbeobachtungsdaten.

Die Konstellation mit dem Namen Twinspector ermöglicht großflächige, hochauflösende, dreidimensionale Erdbeobachtung und wurde speziell für das Monitoring kritischer Infrastrukturen entwickelt. Trotz eines starken Raumfahrt-Ökosystems fehlte es Deutschland bislang an einem kommerziellen Anbieter, der hochaufgelöste 3D-Satellitenbilder in großem Maßstab liefern kann.

„Deutschland hat alles, um eine führende Rolle im Weltraum einzunehmen“, sagt Sven Przywarra, Mitgründer von LiveEO. „Mit Twinspector bauen wir eine kommerzielle Satellitenkapazität auf, die Europas technologische Unabhängigkeit stärkt.“

Aus Marktbedarf im Verborgenen entwickelt

Mit Twinspector positioniert sich LiveEO als weltweit erste vollständig vertikal integrierte Satellitenlösung, die speziell auf die Anforderungen kritischer Infrastrukturen zugeschnitten ist.

Die Entscheidung, eine eigene Satellitenkonstellation zu entwickeln, ist das Ergebnis der starken Nachfrage nach den KI-gestützten Analyseprodukten von LiveEO. Bereits vor mehr als drei Jahren begann das Unternehmen mit der Entwicklung von Twinspector im Hintergrund. Der wachsende Bedarf an satellitengestütztem Monitoring kritischer Infrastrukturen, insbesondere in den Bereichen Energie und Verkehr sowie zunehmend auch im Sicherheitskontext, machte schnell deutlich, dass bestehende Systeme die Anforderungen nicht ausreichend erfüllen.

Bei der Umsetzung des Projekts wurde LiveEO unter anderem von Manfred Krischke unterstützt, der bereits in den späten 1990er Jahren die RapidEye-Satellitenkonstellation initiierte, die heute als erste wirklich kommerzielle Konstellation gilt.

„Ich war an vielen kommerziellen Raumfahrtmissionen beteiligt, aber Twinspector sticht aus einem entscheidenden Grund hervor: Die Mission wird von den Kundenbedürfnissen getrieben, nicht von der Technologie“, sagt Manfred Krischke. „Wir übersetzen einen nachgewiesenen Bedarf in ein Konstellationsdesign, das vom ersten Tag an operativen Mehrwert liefert.“

Satellitenfertigung entlang der deutschen Wertschöpfungskette

Die Konstellation entsteht entlang einer starken deutschen Wertschöpfungskette. Zu den Partnern zählen unter anderem Reflex Aerospace, Engineering Minds Munich und KTO.

„Wir haben mehr als zehn internationale Hersteller sowohl für den Satellitenbau als auch für die Kameraproduktion evaluiert“, sagt Daniel Seidel, Mitgründer von LiveEO. „Letztlich hat uns die Qualität der heimischen Lieferkette überzeugt – von der Satellitenplattform bis zur Optik. Deutschland verfügt über eindrucksvolle, oft unterschätzte Raumfahrtkompetenz. Diese bündeln wir nun, um die weltweit leistungsstärkste 3D-Kamera zu realisieren.“

„Für die technologische Souveränität und Resilienz der europäischen Verteidigungs- und Raumfahrtinfrastruktur ist es entscheidend, dass wir die Fähigkeit zur Produktion und Innovation in Deutschland und Europa erhalten“, betont Walter Ballheimer, CEO von Reflex Aerospace. „Wir freuen uns daher sehr, dass LiveEO mit Reflex Aerospace auf einen starken Partner aus Europa setzt.“

Unabhängiger Zugang zu Satellitendaten gewinnt an Bedeutung

Aus geopolitischer Sicht wird der unabhängige Zugang zu hochauflösenden Satellitendaten immer wichtiger. In vielen Fällen hing die Verfügbarkeit solcher Daten bislang vom Wohlwollen anderer Staaten ab. Eigene, kommerziell betriebene Kapazitäten gelten daher als wichtiger Baustein strategischer Souveränität – nicht zuletzt für unabhängigen Journalismus und die verlässliche Verifikation von Informationen in Krisenregionen.

Vor diesem Hintergrund vertieft LiveEO auch die Zusammenarbeit mit der WirtschaftsWoche, die bereits seit 2019 besteht. Im Rahmen einer exklusiven Medienpartnerschaft kann die Redaktion Bildmaterial aus der Twinspector-Konstellation beauftragen und sowohl in Print- als auch Digitalformaten verwenden. Im Format „Wirtschaft von oben“ hat das Magazin inzwischen in mehr als 370 Folgen wirtschaftliche Zusammenhänge mit Satellitenbildern in Kooperation mit LiveEO erklärt. „Im Jahr unseres 100-jährigen Jubiläums machen wir unser Motto greifbar: Vorausdenken. Weitergehen“, sagt Martin Dowideit, stellvertretender Chefredakteur der WirtschaftsWoche.

Technologie für den Einsatz im großen Maßstab

Die Kamera eines einzelnen Twinspector-Satelliten ist so groß wie mehr als 1.000 CubeSats und ermöglicht dadurch außergewöhnlich hochwertige Aufnahmen. Technologisch setzt Twinspector auf moderne Datenverarbeitung direkt im Orbit. Durch den Einsatz mehrerer GPUs pro Satellit können KI-gestützte Analysen bereits im All durchgeführt werden, was die Auswertung beschleunigt und große Datenmengen effizient nutzbar macht.

So ist die Konstellation beispielsweise in der Lage, die Höhe von 1,1 Millionen Bäumen mit einer Genauigkeit von etwa einem Meter in weniger als einer Sekunde zu messen – ein Maßstab, der neue Anwendungen für Infrastruktur-, Umwelt- und Risikoanalysen ermöglicht.

 

Quelle: https://www.live-eo.com/company/press/german-ai-company-liveeo-launches-its-own-satellite-constellation