SpaceX hat bei der US-Regulierungsbehörde FCC einen Antrag auf Genehmigung für weitere 1 Million Satelliten im Orbit eingereicht. Ziel ist es, diese neue Satellitenflotte als orbitale Rechen- und Datenzentren einzusetzen, um Künstliche Intelligenz (KI) zu betreiben – die Vision: „Der Start von einer Million Satelliten, die als orbitale Datenzentren agieren, ist ein erster Schritt auf dem Weg zur Entwicklung einer Zivilisation vom Typ Kardaschow II – einer Zivilisation, die die volle Energie der Sonne nutzen kann, KI-gesteuerte Anwendungen für Milliarden von Menschen heute unterstützt und die multi-planetare Zukunft der Menschheit unter den Sternen sichert.“
Das vorgeschlagene Netzwerk orbitaler Datenzentren ist darauf ausgelegt, die Herausforderungen in Bezug auf Stromversorgung und Kühlung, die bei terrestrischer KI-Infrastruktur auftreten, durch die Nutzung nahezu kontinuierlicher Sonnenenergie im niedrigen Erdorbit (LEO) zu entschärfen. Die Anwendung beschreibt ein System von Satelliten, die als verteilte Verarbeitungsknoten agieren und speziell für groß angelegte KI-Inferenz optimiert sind. Durch die Verlagerung rechenintensiver Aufgaben in den Orbit möchte SpaceX die steigenden Stromkosten und die Begrenzungen des Stromnetzes umgehen, die das Wachstum herkömmlicher Rechenzentren zunehmend behindern.
Der Zeitpunkt des Antrags bei der FCC fällt mit Branchenberichten über eine mögliche Fusion zwischen SpaceX und Musks KI-Unternehmen xAI zusammen. Laut regulatorischen Dokumenten, die Anfang dieser Woche veröffentlicht wurden, würde das kombinierte Unternehmen Starlinks Laser-Mesh-Netzwerk mit den Grok-Modellen von xAI integrieren, um einen vertikal integrierten „Space-Cloud“-Dienst bereitzustellen. Experten sind auch der Ansicht, dass dieser Schritt vor allem auf den enormen Kapitalbedarf von xAI abzielt und weniger auf den Ausbau des Breitbandnetzes. Dabei wird insbesondere der technische Vorteil des modularen Starlink V3-Busses von SpaceX gegenüber den riesigen Plattformen der Konkurrenz hervorgehoben. Zudem hilft das Timing, Kritik am Wachstumspotenzial zu entkräften, während das Unternehmen einer Bewertung von etwa 0,8 bis 1,5 Billionen US-Dollar an der Börse entgegensieht. Demselben Zweck dürfte der erstmalige Einblick in die Robustheit des Geschäfts von Elon Musk dienen: SpaceX macht 50% Gewinn vom Umsatz, im letzten Jahr acht von 16 Milliarden Dollar.
Der Plan sieht vor, dass jeder Satellit mit sehr engem Bewegungsrahmen mit 50 km Abstand zum nächsten auf Orbits zwischen 500 und 2000 Kilometern Höhe betrieben wird. Jeder Satellit wird mit optischen Laserkommunikationssystemen ausgestattet.
Dieses Vorhaben ist jedoch nur das jüngste einer ganzen Reihe ambitionierter Anträge, die derzeit bei der FCC oder der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) für Satellitenkapazitäten auf eine Entscheidung warten. KTR-Berechnungen kamen vor wenigen Tagen an dieser Stelle noch zum Ergebnis, dass sich bald eine halbe Million Satelliten insbesondere auf LEO-Bahnen tummeln.
Doch das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. Der Astrophysiker Jonathan McDowell, ein genauer Beobachter der Satellitenlandschaft, hat das Antragsregister der ITU analysiert und kommt – mit einigen Vorbehalten – auf insgesamt 746.909 beantragte Satellitenstarts. Nun kommt der Antrag von SpaceX noch hinzu.
Das Wachstum der Objekte im niedrigen Erdorbit (LEO) hat potenziell gefährliche Folgen. Bereits jetzt befinden sich dort tausende aktive Satelliten sowie zehntausende nachverfolgte Trümmerteile, darunter defekte Satelliten und aufgegebene Raketenstufen.
Die Hinzufügung von Hunderttausenden neuer Satelliten würde die Komplexität der Steuerung und das Risiko von Kollisionen im Orbit drastisch erhöhen. Außerdem stellen Wiedereintrittsmanöver von mittelgroßen bis großen Satelliten und Raketenstufen ein wachsendes Risiko für Menschen am Boden, auf See und in Flugzeugen dar. Reflektiertes Sonnenlicht von Satelliten stört weiterhin die Astronomie durch Lichtspuren und -blitze, während die Radioastronomie durch Übertragungen und elektronische Störungen weiter eingeschränkt wird.
SpaceX betont, wie viele Ausweichmanöver die Starlink-Satelliten bereits durchführen mussten: Allein im Halbjahr bis zum 30. November gab es 148.696 Kollisionsvermeidungsmanöver. Tatsächlich führt SpaceX eine „Table of Shame“ mit angeblich eher schusseligen Betreibern und meldete das Problem an die FCC.
Wie sich eine zusätzliche Million Satelliten auf die Risikoanalyse auswirken würde, ist kaum abzuschätzen.
Das Problem – sowohl für die ITU als auch die FCC – besteht darin, dass keine der Organisationen ausreichend Befugnisse hat, um gegen problematische Betreiber effektiv vorzugehen. Eine Kollision im Orbit, vor allem in stark frequentierten Bereichen, wäre für Betreiber und deren bodengebundene Kunden katastrophal.
Quellen u.a.:
https://news.satnews.com/2026/02/01/musk-wants-another-1-million-satellites/