Nachdem Starlink sich gegen die unrechtmäßige Nutzung seiner Dienste durch das russische Militär mit Hilfe von Terminals aus dunklen Quellen abgeschottet hatte, ließ Moskau die Entwicklung eines kleineren, 30 Zentimeter messenden Terminals vorantreiben: Sprint-030. Dieses Gerät ist auf geostationäre Kommunikationssatelliten der zum Teil von europäischen Firmen gebauten Konstellationen Express und Yamal ausgelegt. Die Express-Konstellation beispielsweise umfasst 27 Satelliten, von denen 15 außer Betrieb und einer noch 2026 für den Start erst vorgesehen ist. Das System kommt mit deutlichen Leistungseinbußen im direkten Vergleich zu Starlink. Da es über geostationäre Satelliten wie den Express-AM7 arbeitet, der sich fast 36.000 Kilometer über der Erde befindet, fällt die Latenz wesentlich höher aus. Während Starlink nahezu unmittelbare Reaktionszeiten ermöglicht, die sich für die Steuerung von Drohnen in Echtzeit eignen, treten beim Sprint-030 typischerweise Verzögerungen von über 600 Millisekunden auf. Auch die Downloadraten sind deutlich geringer und liegen bei maximal etwa zehn Megabit pro Sekunde. Das reicht für textbasierte Führungs- und Lagekommunikation aus, begrenzt jedoch die hochauflösenden Video-Streams, die inzwischen zum Kennzeichen moderner Drohnenkriegsführung geworden sind.
Dadurch können russische Einheiten im ersten Akt ein gewisses Maß an digitaler Konnektivität aufrechterhalten, das verloren ging, als ihr unautorisierter Zugang zum Starlink-Netzwerk Anfang dieses Jahres unterbunden wurde. Allerdings haben die ukrainischen Abwehrspezialisten sich bereits auf die Detektion der kleinen Terminals eingestellt und bekämpfen sie gezielt mit FPV-Drohnen.
Der zweite Akt: Russland versucht derweil, mit der neuen Konstellation Rasswet seine Fähigkeiten im Gefechtsfeld zu verbessern. Sie wird vom Unternehmen Bureau 1440 betrieben. Nach dem Start von sechzehn Satelliten ab dem 23. März 2026 ist das Projekt von einer experimentellen Phase in die aktive Entwicklung eines eigenen Low-Earth-Orbit-Breitbanddienstes übergegangen. Offiziell ist das System für zivile und industrielle Nutzung vorgesehen, wird jedoch stark vom FSB beeinflusst und erkennbar beschleunigt vorangetrieben, um dem russischen Militär ein Starlink-ähnliches Pendant mit hoher Datenrate und niedriger Latenz zu liefern. Bis dahin stellt die Kombination aus älteren, in Europa gebauten GEO-Satelliten und den Sprint-030-Terminals für russische Kräfte eine notwendige – wenn auch weniger leistungsfähige – Lebensader dar, während sie versuchen, eine vollständig unabhängige orbitale Infrastruktur aufzubauen.
Quellen: https://satnews.com/2026/04/06/russia-replaces-starlink-with-european-built-satellites/