Am 27. April kündigte die kanadische Regierung den Canadian Space Launch Act und strenge Vorgaben für das kontrollierte De-Orbiting ausgedienter Satelliten an.
Gemäß dem neuen regulatorischen Rahmenwerk müssen Non-Geo-Sats spätestens fünf Jahre nach Ende ihrer Betriebszeit einen kontrollierten Wiedereintritt in die Atmosphäre vollziehen. Damit werden vorherige freiwillige Richtlinien durch verbindliche Lizenzbedingungen ersetzt. In den USA gilt diese Pflicht schon seit dem letzten Jahr. Dort müssen Satellitenhersteller bzw. -betreiber nachweisen, dass sie eine Technologie an Bord haben, die die Einhaltung der 5-Jahresfrist garantiert, ob das nun Extratanks sind, die die Missionskosten deutlich erhöhen oder aber Dragsails, die automatisch wie Bremsfallschirme wirken. In Kanada sind dagegen Extratanks für Satelliten mit einer Apogäumshöhe über 600 km künftig Pflicht; dort müssen aktive Antriebssysteme zur Kollisionsvermeidung und Entsorgung am Lebensende auf jeden Fall an Bord sein. Die EU-Kommission hatte diese Propulsion-Vorschrift ebenfalls für ihren European Space Act vorgesehen, schwenkt aber in der derzeit laufenden Revision ihres geplanten Weltraumgesetzes auf die US-Linie und damit auf die Unterstützung alternativer Abstiegshilfen wie etwa Bremssegel ein, wie sie vom Marktführer HPS für alle LEO-Sat-Typen weltweit verkauft werden. Praktisch gesehen macht es allerdings zur Zeit wenig Unterschied, was Europa und Kanada an Regulierungen beibringen. Denn solange im Prinzip Falcon9 die einzige Rakete ist, mit der Satelliten in nennenswerter Größenordnung auf LEO gebracht werden, gelten für Satellitenhersteller und -betreiber die Vertragsbedingungen von SpaceX. Und die sehen klar die Pflicht zur Deorbit-Technik an Bord der Satelliten vor, sonst werden sie einfach nicht gestartet.
Wie an dieser Stelle bereits berichtet, hat Starlink, selbst eine Tochter von SpaceX, begonnen, die eigenen Regeln per Orbitabsenkung von etwa 4.400 Satelliten von 550 km auf 298 Meilen (480 km) umzusetzen. Diese Maßnahme soll den atmosphärischen Widerstand erhöhen und die natürliche De-Orbit-Zeit von vier Jahren auf nur wenige Monate verkürzen. Während dies die Sicherheit im Orbit verbessert, steigt dadurch die Häufigkeit von Wiedereintritts-Feuerbällen, die vom Boden aus sichtbar sind, deutlich an, da ausgediente Einheiten aus der Konstellation entfernt werden. Mit SpaceX‘ jüngster FCC-Anmeldung für ein „Orbital Data Center“ mit bis zu einer Million zusätzlicher Satelliten könnten Wiedereintrittsereignisse allein von Starlink künftig alle drei Minuten auftreten.