SME4Space, Verband der Raumfahrt-KMU auf Europa-Ebene und als solcher Partner dea deutschen Verbundes unter dem Siegel „Best of Space“, hat sich in einem neueren Positionspapier ausführlich mit der Fusion der drei europäischen Satelliten-Giganten Airbus, Leonardo und Thales besonders im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen auf die europäische Raumfahrtindustrie und deren Wettbewerbsfähigkeit befasst.
In dem Zusammenhang stellt SME4Space fest:
- Die geplante Fusion wird das Wettbewerbsumfeld innerhalb des europäischen Raumfahrtsektors sofort verändern: weniger Akteure, engere Lieferketten und das Risiko, dass Programme, die für KMU wesentlich und für die globale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen entscheidend sind, geschwächt oder verdrängt statt gestärkt werden.
- Für die ESA bedeutet dies, dass bestehende Instrumente zur Sicherung eines fairen Zugangs und industriellen Gleichgewichts gestärkt und an die Marktrealitäten angepasst werden müssen. Der Schutz der Vielfalt des Ökosystems ist unerlässlich, wenn Europa in der Raumfahrtindustrie echte strategische Autonomie erlangen will.
- Industriegruppen entstehen, die in mehreren Segmenten über eine marktbeherrschende Stellung verfügen. Während Dominanz nicht per se rechtswidrig ist, geben ihre Auswirkungen auf Wettbewerb und Innovation Anlass zu erheblichen Bedenken für KMU und das breitere Raumfahrt-Ökosystem.
- Kunden werden mit einem dominanten Lieferanten konfrontiert.
- Auf die ESA als Hauptkunde der neuen Einheit wird der Druck zunehmen, insbesondere in Anbetracht der Positionen, die in früheren Rentabilitätsdiskussionen eingenommen wurden.
- Wettbewerber: Diese Organisationen könnten mit einem reduzierten Zugang zu Möglichkeiten konfrontiert werden, da die fusionierte Gruppe ihre Position konsolidiert.
- Die Lieferkette: Erhöhte Abhängigkeitsrisiken können die Anfälligkeit innerhalb des Ökosystems erhöhen, was potenziell zu häufigeren Störungen und verringerter Flexibilität führt, neben geringeren Chancen für Innovationen.
- Outsourcing-Muster: Die fusionierte Gruppe wird wahrscheinlich Fähigkeiten internalisieren, die zuvor von externen Lieferanten bezogen wurden, was die Möglichkeiten für KMU weiter einschränkt.
Dies sind alles nicht einfach nur Veränderungen, wie sie halt vorkommen. Vielmehr addressiert SME4Space hier gewaltige tektonische Verschiebungen mit dem Potential zur Schwächung der industriellen Vielfalt, die Europa lange Zeit als entscheidend für Resilienz, Innovation und strategische Autonomie angesehen hat. Entsprechend setzt SME4Space gerade jetzt auf Diversifizierung als Voraussetzung für Europas strategische Autonomie und argumentiert:
- Historische Beispiele, sowohl in Europa als auch im Ausland, zeigen, dass das Vertrauen auf einen einzigen industriellen Champion keinen robusten, autonomen oder effizienten Sektor hervorbringt.
- Wenn Europa große Missionen und Beschaffungen auf einen dominanten Akteur konzentriert, wird das Ergebnis ein engeres Ökosystem mit reduzierter Wettbewerbsfähigkeit und weniger Effizienz sein.
- In Ländern wie den Vereinigten Staaten entstanden nationale Champions in der Raumfahrtindustrie erst, nachdem mehrere Zulieferer miteinander konkurrierten – ein Prozess, den man nicht ignorieren sollte.
SME4Space stellt in dem Zusammenhang die grundlegende These, Europa sei nicht wettbewerbsfähig, in Frage. Viele europäische Unternehmen, einschließlich KMU, seien schließlich weltweit weiterhin erfolgreich, insbesondere in Bereichen wie kleine Satelliten, Komponenten, Software und nachgelagerte Dienstleistungen. Diese Stärken sollten nicht durch eine enge Sicht auf Autonomie, die an industrielle Konzentration gebunden ist, geschmälert werden. Erfolg auf internationalen Märkten hilft alternativen Akteuren zu gedeihen und verdiene Anerkennung und Unterstützung.
Sollten nun Wettbewerbsbehörden der Fusion ohne Bedingungen zustimmen, müssen die ESA und die Mitgliedstaaten proaktive Schritte unternehmen, um die industrielle Vielfalt zu wahren. SME4SPACE fordert die ESA deshalb auf:
- Ihr Programmportfolio neu zu bewerten, um eine ausgewogene Mischung aus großen Flaggschiff-Missionen und kleinen, agilen Programmen sicherzustellen.
- Situationen zu vermeiden, die zu De-facto-Monopolen in bestimmten Segmenten führen könnten.
- Alternative Zulieferer, einschließlich KMU, durch gezielte Entwicklungs- und Technologieprogramme zu befähigen und zu fördern.
- Beschaffungsschemata so zu gestalten, dass sie, wo immer möglich, mehrere Zulieferer strukturell berücksichtigen.
- Die Offenheit gegenüber globalen Märkten zu bewahren und die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen, anstatt sich von internationalen Möglichkeiten zurückzuziehen.
Solche Maßnahmen sollten nicht symbolisch sein. Es ist wichtig, sich auf greifbare Anforderungen zu konzentrieren, bei denen Weltraum-Lösungen messbare öffentliche und wirtschaftliche Vorteile bieten, indem die wachsenden und robusten Fähigkeiten europäischer KMU genutzt werden.
In diesem Zusammenhang unterstreicht SME4SPACE die Bedeutung bestehender ESA-Programme, die bereits die technologische Entwicklung, Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum alternativer Zulieferer fördern – Programme wie GSTP, ARTES, INCUBED, die NAVISP-Initiative und die kürzlich erweiterten, CMIN-genehmigten Wettbewerbslinien.
Diese Instrumente haben KMU konsequent ermöglicht, Technologien zu reifen, Fähigkeiten zu demonstrieren und Zugang zu zukünftigen Missionen zu erhalten. Anstatt reduziert oder in größere Flaggschiff-Bemühungen absorbiert zu werden, sollten diese Programme verstärkt und ausgebaut werden, mit dedizierten Budgets und Mechanismen, die KMU und Mid-Caps bedeutungsvollen Zugang garantieren. Die Stärkung dieser Instrumente ist wesentlich, um eine dynamische Industrielandschaft aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass Europas strategische Autonomie auf Vielfalt, Innovation und offenem Wettbewerb aufbaut.
SME4SPACE glaubt, dass Europas strategische Autonomie nur durch ein diversifiziertes, wettbewerbsfähiges industrielles Ökosystem garantiert werden kann. Die Stärkung eines großen Primes kann nicht die Notwendigkeit einer Vielzahl fähiger Akteure ersetzen. Europas KMU spielen eine zentrale Rolle bei Innovation, Agilität und globaler Wettbewerbsfähigkeit. Sie müssen weiterhin vollständige Teilnehmer an zukünftigen ESA- und EU-Programmen bleiben.
Die geplante Fusion stellt sowohl Risiken als auch eine Chance dar: ein Moment, um zu überdenken, wie die ESA den Marktzugang strukturiert, Möglichkeiten verteilt und alternative Akteure fördert.
Fazit
SME4SPACE ruft die ESA und die Mitgliedstaaten dazu auf, klare Maßnahmen zu ergreifen, die Vielfalt bewahren, Wettbewerb in Europa sichern, globale Wettbewerbsfähigkeit unterstützen und eine übermäßige Konzentration von Marktmacht verhindern. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, eine ausgewogene Programmgestaltung beizubehalten und Prozesse zu verstärken, die bereits im Gange sind. Nur durch eine ausgewogene Industrielandschaft könne Europa echte strategische Autonomie bewahren und weiterhin auf globalen Märkten erfolgreich sein.
Quelle:
https://www.sme4space.org/document/sme4space-position-on-the-bromo-merger-april-2026/