Die NASA muss ihre alternde Startinfrastruktur umfassend modernisieren, wenn sie die geplanten Artemis-Mondmissionen und die wachsende Zahl kommerzieller Starts zuverlässig bewältigen will. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht des Office of Inspector General (OIG).
Demnach geraten das Kennedy Space Center in Florida und die Wallops Flight Facility in Virginia zunehmend unter Druck. Straßen, Stromversorgung sowie Gas- und Treibstoffleitungen stammen teils aus der Apollo-Ära und sind auf die heutige Startfrequenz nicht ausgelegt.
Laut Bericht könnten Kennedy und Wallops bereits 2028 oder 2029 nahe an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten. Für die nötigen Modernisierungen veranschlagt die Behörde mindestens 1 Milliarde US-Dollar; bislang stehen jedoch nur rund 250 Millionen US-Dollar bereit.
Der Startbetrieb hat sich zuletzt stark beschleunigt. An der Space Coast stieg die Zahl der von der NASA unterstützten Starts von 31 im Jahr 2020 auf 109 im Jahr 2025. In Wallops wuchs sie im selben Zeitraum von drei auf 17 Starts. Bis 2030 rechnet die NASA an beiden Standorten mit einem weiteren deutlichen Anstieg.
Besonders angespannt ist die Lage in Florida, wo NASA, SpaceX, Blue Origin und United Launch Alliance dieselben Versorgungsnetze nutzen. SpaceX baut am historischen Launch Complex 39A eine Starship-Infrastruktur auf und plant zusätzlich Starts von SLC-37. Blue Origin benötigt für New Glenn und den Mondlander Blue Moon ebenfalls erhebliche Kapazitäten.
Für Artemis verschärft sich das Problem: Orion soll mit der SLS-Rakete starten, während Starship und Blue Moon als Mondlander vorgesehen sind. Alle Systeme sind auf Schwerlaststarts angewiesen und benötigen teils zusätzliche Betankungsflüge im Orbit.
Der OIG-Bericht warnt insbesondere vor Engpässen bei gemeinsam genutzten Ressourcen wie Straßen, Strom und Gasleitungen. Das Stickstoffsystem könne künftige SLS-Starts von LC-39B und New-Glenn-Starts von SLC-36 nicht gleichzeitig ausreichend unterstützen. Nach SLS-Starts drohten Sperrzeiten von ein bis zwei Monaten.
Auch Artemis 3 könnte dadurch unter Druck geraten. Die Mission ist für 2027 geplant und würde mehrere Starts innerhalb weniger Tage erfordern. Der Bericht stellt infrage, ob die bestehende Infrastruktur diese Abfolge zuverlässig leisten kann.
Neben technischen Engpässen nennt der Bericht auch finanzielle Hürden. Die NASA könne Kosten kommerzieller Nutzer bislang nur begrenzt auf diese umlegen. Zugleich erschwerten sinkende Wartungsbudgets und gesetzliche Vorgaben eine schnelle Modernisierung.
Der OIG empfiehlt, Investitionen in Verkehrswege, Stromversorgung und Gasnetze zu priorisieren und neue Finanzierungsmodelle für kommerzielle Partnerschaften zu prüfen. Ohne zusätzliche Mittel dürfte sich der Sanierungsstau weiter vergrößern.
Wie groß der Rückstand ist, zeigt eine zentrale Zahl des Berichts: Eigentlich will die NASA ihre Infrastruktur alle 66 Jahre erneuern.
Beim aktuellen Budget würde dieser Zyklus jedoch mehr als 260 Jahre dauern.