ESPI zu orbitalen Rechenzentren: China zeigt, wo´s langgeht

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Das European Space Policy Institute analysiert in einer neuen Studie, wie China innerhalb kurzer Zeit den Sprung vom Konzept zu ersten praktischen Umsetzungen von orbitalen Rechenzentren geschafft hat. Solche Orbital Data Centres (ODCs) sollen Daten direkt im Orbit verarbeiten und speichern, statt sie vollständig zur Erde zurückzusenden, da die Menge an Weltraumdaten durch Erdbeobachtung, Kommunikationskonstellationen und Sensorik stark wächst; eine Prognose nennt einen Anstieg des globalen Weltraumdatenvolumens um das 14-Fache bis 2030 auf rund 500 Exabyte.

Der Kernbefund lautet: Während Europa noch über Machbarkeit, Regulierung und mögliche Programme diskutiert, baut China bereits konkrete Fähigkeiten auf. Die Studie nennt insbesondere die China Aerospace Science and Technology Corporation, die Beijing Municipal Government und den Zhongguancun Science Park als zentrale Akteure. China verfolgt dabei einen vierteiligen Ansatz: erstens politische Steuerung von oben, zweitens Anpassung von Staatsunternehmen und Privatwirtschaft, drittens Anreize durch kommunale und regionale Regierungen und viertens Unterstützung von Start-ups und anderen nichtstaatlichen Akteuren.

Ein wichtiges Beispiel ist die chinesische Three-Body Constellation, die 2025 von ADA Space gestartet wurde und als erstes operatives Beispiel weltraumgestützter Recheninfrastruktur beschrieben wird. Laut Berichten wurden dabei erste Satelliten einer geplanten größeren Konstellation gestartet; Tests sollen Fähigkeiten wie Vernetzung, Rechenleistung, Modellbereitstellung und wissenschaftliche Nutzlasten demonstriert haben.

Für Europa sieht die Studie ein strategisches Risiko: Wenn andere Akteure zuerst die Architektur, Schnittstellen und Standards für Orbital Computing setzen, könnte Europa künftig abhängig davon werden, eigene Weltraumdaten über fremde Infrastrukturen verarbeiten zu müssen. Damit stünden nicht nur technologische Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch digitale und weltraumpolitische Souveränität auf dem Spiel.

Die Studie empfiehlt daher eine deutlich aktivere europäische Antwort. Dazu gehören koordinierte politische Leitlinien, Investitionen und Regulierung durch die EU, eine europäische ODC-Flaggschiffinitiative, Nachfrage- und Vertragsimpulse durch ESA und EU, gezielte Wettbewerbe zur Lösung technischer Machbarkeitsprobleme sowie internationale Arbeitsgruppen zu Standards und Technologieentwicklung. 

Die Warnung des ESPI ist deutlich: Orbital Computing ist nicht mehr nur Zukunftsmusik. China baut bereits industrielle, politische und technische Strukturen dafür auf. Wenn man in Europa nicht reagiert, wird es bei einer künftigen Schlüssel-Infrastruktur für KI, Weltraumdaten und digitale Souveränität ins Hintertreffen geraten.

 

 

 

Quelle: https://www.espi.eu/wp-content/uploads/2026/08/ESPI-Brief-77-Constellating-Compute.pdf