Nach fünf erfolgreichen Starts in Folge mit zwei Boostern soll die europäische Trägerrakete Ariane 6 nun ihren Erststart mit vier Feststoffboostern absolvieren. Der Start ist für den heutigen 12. Februar 2026 um 17:45 Uhr MEZ (13:45 Ortszeit) vom europäischen Raumflughafen in Kourou (Französisch-Guyana) geplant. Dabei befördert sie 32 Satelliten von Amazon in eine niedrige Erdumlaufbahn in 465 Kilometern Höhe. Durch die Konfiguration mit vier Boostern kann die Ariane 6 rund 20 Tonnen Ladung ins All befördern – ungefähr doppelt so viel wie die Version mit zwei Boostern. Diese „Ariane 64“ genannte Version ist durch ihre hohe Nutzlastkapazität und ihre umfassende Flexibilität besonders geeignet, um große Satellitenkonstellationen in den Weltraum zu bringen – ob für kommerzielle oder institutionelle Kunden. Damit sichert die Rakete Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum. Deutschland ist nach Frankreich zweitgrößter Beitragszahler des Ariane-6-Programms der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die deutschen Beiträge werden von der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) koordiniert. Das DLR war zudem über Triebwerks- und Oberstufentests bei der DLR-Einrichtung Raumfahrtantriebe in Lampoldshausen maßgeblich an der Entwicklung der Ariane 6 beteiligt.
Deutsche Technik für Europas unabhängigen Zugang zum All
Die Oberstufe der Ariane 6 ist der entscheidende Baustein für ihre Flexibilität. Entwickelt und gebaut wird sie von ArianeGroup in Bremen als Hauptauftragnehmer der ESA. Kern der Oberstufe ist das Vinci-Triebwerk. Dieses zeichnet sich durch eine lange Lebensdauer, die Möglichkeit, das Triebwerk mehrmals zu zünden und die Verwendung der effizientesten Treibstoffkombination aus flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff aus. Damit kann die Ariane 6 eine Vielzahl unterschiedlicher Missionen fliegen und dabei auch mehrere Nutzlasten bei einem Start transportieren. Zudem ist die Oberstufe so konzipiert, dass sie nach dem Einsatz komplett in der Erdatmosphäre verglüht, also keine Trümmerteile hinterlässt. Das ist eine wichtige Maßnahme, um Weltraumschrott zu vermeiden.
In Zukunft wird ArianeGroup Deutschland das Vinci-Triebwerk in Lampoldshausen montieren. Die gesamte Endproduktion und Systemintegration wie auch die Flugabnahmetests werden von Vernon in Frankreich nach Deutschland verlagert. Der Einbau des Triebwerks in die Oberstufe der Ariane 6 erfolgt wie bislang in Bremen.
Tests unter realen Flugbedingungen für Ariane 6 beim DLR in Lampoldshausen
Der DLR-Standort Lampoldshausen spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Qualifizierung der Antriebssysteme der Ariane 6. Mit der DLR-Einrichtung Raumfahrtantriebe verfügt der Standort über ein europaweit führendes Kompetenzzentrum für die Erprobung von Raumfahrtantrieben. Von den ersten Tests des Oberstufentriebwerks Vinci und des Hauptstufentriebwerks Vulcain 2.1 über deren Weiterentwicklung bis hin zur Qualifizierung der gesamten Oberstufe war das DLR in Lampoldshausen an allen entscheidenden Entwicklungsschritten maßgeblich beteiligt. Die europaweit einzigartige Prüfstands- und Testinfrastruktur ermöglicht es, Triebwerke und komplette Raketenstufen unter realitätsnahen Flugbedingungen zu erproben – einschließlich Höhensimulationen im Vakuum. In Lampoldshausen wurden sowohl das Vinci-Triebwerk als auch die vollständige Ariane-6-Oberstufe mit integrierter Avionik getestet und qualifiziert. Damit leistet das DLR einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Trägerentwicklung und stärkt Europas unabhängigen Zugang zum All.
Weiterführende Links