Auswertung der Umfrage zur Beteiligung der deutschen Raumfahrt-KMU an IRIS²

©EUSPA, ©EU Agency for the Space Programme

Die Umfrage zur Beteiligung am IRIS2-Programm wurde unter den deutschen Raumfahrt-KMU von KTR im Zeitraum 12.-19. Mai 2026 durchgeführt. Lediglich 31 von 267 Unternehmen konnten darin eine Relevanz für ihre Belange erkennen und beantworteten alle acht darin gestellten Fragen. Die prozentualen Angaben beziehen sich im Folgenden immer auf die Grundgesamtheit der tatsächlich antwortenden Unternehmen.

Nach derzeitigem Stand verzeichnen vier Unternehmen eine definitive Einbindung seitens SpaceRise bzw. des SpaceRise Core Teams gegenüber 27 und damit 87 Prozent bei IRIS2 bisher unberücksichtigten kleinen und mittelständischen Unternehmen. Sechs weitere Unternehmen hegen Hoffnungen, dass sich an der Auftragslage für sie noch im positiven Sinne etwas ändern kann, da sie konkret Aufträge erwarten. Die Mehrheit von 81 Prozent jedoch sieht dafür keine Chancen.

Soweit man sich zum Charakter des erhaltenen Auftrages einlassen wollte, sind bisher erteilte Aufträge zu 33 Prozent (1) dem Bereich „Beistellung von Hardware“ und 67% (2) dem Bereich „Dienstleistungen“ zuzuordnen. Die Nachfragequote für Leistungen aus dem Bereich Entwicklung und Bau von Komponenten und Systemen steht bei Null.

An mangelnder Information kann das nicht gelegen haben, denn mehr als die Hälfte der Unternehmen – 52% – gibt zu Protokoll, den projektführenden Firmen des Konsortiums schriftlich ihre Kompetenzen und Erfahrungen mitgeteilt zu haben. Daraufhin wurden sieben Unternehmen ausdrücklich vom Konsortium ermutigt, sich um Aufträge im Zusammenhang mit dem IRIS2-Programm zu bemühen, 24 respektive 77 Prozent dagegen erhielten keine Antwort. Allerdings bekamen zwei Unternehmen auf Grundlage ihrer Initiative industrieseitig den Rat, sich auf eigenes Risiko im Kontext IRIS2 doch selber unternehmerisch zu engagieren.

An die ESA haben sich neun Unternehmen mit Angeboten zur Beteiligung an IRIS2 gewandt, 71 Prozent haben sich gegen diesen Weg entschieden. Immerhin wurde seitens ESA dieses Bemühen in zwei Fällen mit IRIS²-Aufträgen belohnt.

Zusätzliches Interesse am neu aufgerollten V-LEO-Segment im von Deutschland nicht gezeichneten dritten Programmelement signalisierten bisher jeweils 46 Prozent der KMU, gleichermaßen verteilt auf die Parts von ESA und EU. Vier Unternehmen und damit 8 Prozent haben daran kein Interesse.

In einem für freie zusätzliche Äußerungen geöffneten Umfragebereich kamen klar diese Einschätzungen der Einbindung von KMU in IRIS2 seitens des Konsortiums und Kernteams von SpaceRise zutage:

  • Wenn überhaupt, wird der Mittelstand für Routinearbeiten auf dem Niveau der verlängerten Werkbank eingebunden, eine Beteiligung an innovativen konzeptionellen Lösungen ist in keiner Weise zu erkennen, weder als Absicht noch gar als Fakt.
  • Zum Teil könnten Aufträge auch mehrgleisiger Verwendung zukommen, d.h. sie sind von so allgemeiner Art, dass sie im Falle eines Scheiterns von IRIS² vom Auftraggeber auch im Rahmen anderer Projekte verwertet werden könnten.
  • Die Kommunikation des Konsortiums gegenüber den KMU in Sachen IRIS2 ist generell von maximaler Intransparenz gekennzeichnet. Damit verbunden ist jedoch nicht etwa der Vorwurf, dass man hier etwa von Herrschaftswissen abgegrenzt werde; eher ist die Frage, ob es solches überhaupt gibt oder ob das Projekt noch immer mehr von einer diffusen Chimäre hat statt von einem ingenieurtechnisch realen Konstrukt.

Wie dem auch sei: Angesichts dieser überschaubaren Auftragslage in Deutschland ist eine KMU-Beteiligung von 30% wohl nur noch zu erreichen, wenn um die 90 Prozent der rechnerischen 3 Milliarden und 120 Millionen Euro an KMU geballt etwa in Frankreich, Italien und Spanien und der Rest an kleinere Länder verteilt werden. Wie wenig realistisch dieses Szenario auch nur rein theoretisch sein kann, liegt auf der Hand. Damit ist auch aus dieser Sicht die Erzählung von der dreißigprozentigen KMU-Quote des Projektes immer noch nichts anderes als das, was sie von Anfang an war: ein industriepolitisches Märchen der EU.

Quelle: Umfrage KTR in Deutschland