Der alte Mann und der Mars

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Musk setzt nun auf den Mond

Sehr lange Zeit war der Mars das Thema von Elon Musk, der immer wieder klarmachte, dass er SpaceX 2002 vor allem gegründet habe, um die Besiedlung des Roten Planeten voranzutreiben. Den Mond als die andere außerirdische Option hat er meist abgetan. Noch vor etwas mehr als einem Jahr sagte er, SpaceX werde direkt zum Mars fliegen und bezeichnete den Erdtrabanten als nette Unterhaltung.

Doch dann überraschte Musk mit einer Kehrtwende: SpaceX richtet seine Siedlungspläne nun – zumindest kurzfristig – auf den Mond aus. „Für alle, die es nicht mitbekommen haben: SpaceX konzentriert sich bereits darauf, eine sich selbst weiterentwickelnde Stadt auf dem Mond zu errichten, weil wir das in weniger als zehn Jahren schaffen könnten, während es auf dem Mars mehr als 20 Jahre dauern würde“, schrieb der Milliardär auf X.

„Die Mission von SpaceX bleibt unverändert: Das Bewusstsein und das Leben, wie wir es kennen, zu den Sternen auszudehnen“, fügte er hinzu. „Zum Mars kann man nur reisen, wenn die Planeten alle 26 Monate günstig stehen (sechs Monate Flugzeit), während wir alle zehn Tage eine Rakete zum Mond starten können (zwei Tage Flugzeit). Das bedeutet, dass wir viel schneller Fortschritte beim Bau einer Mondstadt machen können als bei einer Marsstadt.“

Bereits zuvor hatte Musk diese Kurskorrektur angedeutet, als er Pläne für ein weltumspannendes Netz aus Datencenter-Satelliten im Erdorbit vorstellte. Das Trägersystem für all diese Satelliten ist Starship – die vollständig wiederverwendbare Megarakete, die SpaceX für seine Ambitionen jenseits der Erde entwickelt. Bei einem Update hob Musk besonders das Potenzial von Starship für Mondmissionen hervor.

Dank Fortschritten wie der Betankung im All könne Starship riesige Mengen Fracht auf dem Mond landen. Sobald man dort ist, sei es möglich, eine dauerhafte Präsenz für wissenschaftliche und industrielle Zwecke aufzubauen. Fabriken auf dem Mond könnten die dortigen Ressourcen nutzen, um Satelliten herzustellen und diese weiter ins All zu schicken. Mit einem elektromagnetischen Massenbeschleuniger und der Produktion auf dem Mond könnten jährlich 500 bis 1000 [Terawatt] an KI-Satelliten ins tiefe All gebracht werden – ein bedeutender Schritt auf der Kardaschow-Skala und zur Nutzung eines nicht zu vernachlässigenden Anteils der Sonnenenergie.

Der Aspekt der Datenzentren im All sei dabei nur ein Extragoodie der neuen Mondstrategie, so Musk. Als eigentlichen Grund für die Prioritätenverschiebung führt er die Sorge an, dass eine natürliche oder menschengemachte Katastrophe die Nachschubtransporte von der Erde unterbrechen und damit die Kolonie zum Scheitern bringen könnte. Eine selbstwachsende Stadt auf dem Mond sei in weniger als zehn Jahren zu errichten, aber auf dem Mars würde das aufgrund des 26-Monats-Zyklus über 20 Jahre dauern. Wohl gemerkt: von dem Zeitpunkt des Beginns beider Projekte an, was die reale Zeitleiste doch noch beachtlich weit hinausschiebt. Der nun plötzlich gefühlte Zeitdruck mag sehr wohl u.a. in Musks Skepsis gegenüber einer katastrophenfreien Zukunft liegen. Aber ebenso erlaubt muss die Vermutung sein, dass er angesichts seines herannahenden 55sten Geburtstages begonnen hat, seine Chancen auf das eigene Erleben seiner größten Realität gewordenen Visionen abzuschätzen und zum Schluss kommt: lieber der Mann im Mond als tragischer Held eines Hemingwayesquen Schicksals-Epos des 21. Jahrhunderts unter der Überschrift 

„Der alte Mann und der Mars“.

Fakten aus: https://www.space.com/astronomy/moon/a-city-on-the-moon-why-spacex-shifted-its-focus-away-from-mars?lrh=2ac7c2c236ccd243bdb28b8cb6a0024e606b6cd7f153429307bb2f68c94bb5a3