Eine ganz besondere „Konstellation“: Airbus, OHB und Rheinmetall in einem Boot für SATCOMBw 4

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Nach übereinstimmenden Berichten treiben Zeitdruck und Sachzwang lang für nicht möglich gehaltene Blüten: die sonst eher aus Konkurrenz zueinander agierenden Unternehmen Airbus Defence and Space und OHB wollen nun mit Rheinmetall beim Aufbau der SATCOMBw 4 – Konstellation zusammenarbeiten und dem Verteidigungsministerium ein entsprechendes Angebot vorlegen.  

Zur Herstellung souveräner Fähigkeiten braucht die Bundeswehr ein eigenes Kommunikationssatelliten-Netzwerk.  SATCOMBw 4 ist das wohl größte einzelne Satellitenprojekt der Bundeswehr, für das mindestens 10 Milliarden Euro veranschlagt werden und mehrere Hundert Satelliten zu bauen sind. Bis 2029 soll eine sogenannte Anfangsbefähigung durch mindestens 40, eher aber deutlich mehr Satelliten gesichert werden.

Im Gegensatz zum Vorläufer SATCOMBw Stufe 3, bei dem zwei Satelliten für die Positionierung auf einer geostationären Bahn in rund 36.000 Kilometern Entfernung von der Erde in Einzelfertigung hergestellt werden, muss die größere Zahl der LEO-Satelliten quasi in Serie hergestellt werden. Dafür wird es schnellstens einer ausreichenden Kapazität für die Massenproduktion bedürfen. Bisher verfügen nur OHB und Airbus über das notwendige Know-how dafür. Verteidigungsfachmedien wie der hartpunkt zitieren Beobachter mit der Vermutiung, es könnte der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall bei der deutschen Satellitenkonstellation vor allem für die Integration des Systems in die Kommunikationsstruktur der Landstreitkräfte – etwa im Rahmen von D-LBO oder TAWAN – die Verantwortung übernehmen.

Da es sich bei SATCOMBw 4 um eine Schlüsseltechnologie handelt, dürfte „made in Germany“ gesetzt sein. Entsprechend will deshalb auch Airbus Defence and Space eine Fertigungslinie für OneWeb-Satelliten in Friedrichshafen aufbauen. Die Zusammenarbeit mit OHB ist bereits bei SATCOMBw 3 gut. Beide Unternehmen hatten darum konkurriert, Airbus wurde als Hauptauftragnehmer ausgewählt und lässt den ersten Satelliten bei OHB in Bremen bauen. Eine aktive Rolle von OHB ist in jedem Fall auch für den Mittelstand von Vorteil, geht man in Mittelstandskreisen doch von einer angemessenen KMU-Beteiligung durch den Bremer Familienkonzern aus.

Ein Nadelöhr ist derzeit noch die ungelöste Transportfrage: nutzt man weiter wie noch bei den SARah-Aufklärern die Falcon 9, oder wartet man entweder auf einen Slot bei Ariane 6 oder eine Chance mit einem neuen deutschen Träger, etwa der Spectrum oder der RFA One? Zur Klärung ist wenigstens an der Stelle glücklicherweise der Zeitdruck noch vergleichsweise gering.

Quelle: https://www.hartpunkt.de/satcombw-4-airbus-ohb-und-rheinmetall-wollen-gemeinsam-fuer-bundeswehr-satellitenkonstellation-anbieten/