Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und das Zentrum der Internationalen Astronomischen Union zum Schutz des dunklen und ruhigen Himmels (IAU CPS) haben auf dem International Astronautical Congress eine Vereinbarung unterzeichnet, um ihre Zusammenarbeit zu stärken und technische Lösungen für den Erhalt eines dunklen und ruhigen Himmels zu entwickeln.
Mit der wachsenden Zahl von Satelliten im Orbit werden ihr reflektiertes Licht und Funkfrequenzstörungen sowohl für die professionelle Astronomie als auch für die einfache Sternbeobachtung zu einer Herausforderung.
Mit der Unterzeichnung dieser Absichtserklärung bündeln die ESA und das IAU-Zentrum zum Schutz des dunklen und ruhigen Himmels (IAU CPS) ihre Kräfte, um den Nachthimmel zu schützen.
Das IAU CPS bringt astronomische Einrichtungen, Observatorien, Forschende, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger zusammen, die sich dafür einsetzen, das Bewusstsein für die Auswirkungen satellitenbedingter Störungen auf die Astronomie zu schärfen.
Die ESA wird ihr technisches Fachwissen einbringen und die Zusammenarbeit mit der Industrie intensivieren, um praktische Lösungen zu entwickeln, die die Auswirkungen von Satelliten auf astronomische Beobachtungen verringern.
„Diese Zusammenarbeit ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Zukunft, in der wertvolle astronomische Beobachtungen und andere Weltraumaktivitäten nebeneinander bestehen können. So können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weiterhin den Kosmos erforschen, während auch künftige Generationen einen ungehinderten Blick auf die Sterne genießen können“, sagt Rolf Densing, Direktor für Raumflugbetrieb bei der ESA.
„Wir sind überzeugt, dass der Weltraum verantwortungsvoll genutzt werden kann und zugleich der Zugang der Menschheit zum Nachthimmel erhalten bleibt. Gemeinsam mit dem IAU CPS können wir an technologischen Lösungen arbeiten, die für die Industrie, die Wissenschaft und für uns alle funktionieren, die gern zu einem unverschmutzten Nachthimmel aufblicken.“
Störung von Beobachtungen
Die Industrialisierung des niedrigen Erdorbits durch das rasche Wachstum von Satellitenkonstellationen hat unbeabsichtigte Auswirkungen auf die Astronomie. Die meisten Menschen haben schon Satelliten in den Stunden nach Sonnenuntergang über den Himmel ziehen sehen – helle Punkte, die sich schneller bewegen, als es ein Flugzeug könnte.
„Diese Satelliten gefährden wissenschaftliche Entdeckungen im gesamten elektromagnetischen Spektrum. Sie können Sonnenlicht reflektieren, helle Streifen auf Teleskopaufnahmen erzeugen und Beobachtungen schwacher und weit entfernter Signalquellen stören. Gleichzeitig können elektronische Systeme an Bord von Raumfahrzeugen unbeabsichtigte Funkemissionen verursachen, die empfindliche Radioteleskope beeinträchtigen“, sagt Jan Siminski, Weltraumschrottanalyst bei der ESA.
„Astronominnen und Astronomen sind auf ununterbrochene Beobachtungen angewiesen, um die Ursprünge des Universums zu erforschen, nach potenziell bewohnbaren Welten zu suchen und erdnahe Asteroiden zu verfolgen, die eine Gefahr für unseren Planeten darstellen könnten. Es ist entscheidend, Wege zur Vermeidung solcher Störungen zu finden.“
Auch viele Tierarten sind zur Orientierung auf natürliche nächtliche Bedingungen angewiesen. Der Erhalt eines dunklen Himmels ist daher wichtig, wenn wir die natürliche Umwelt schützen wollen.
Gestaltung für die Dunkelheit
Ein dunkler und ruhiger Himmel beginnt lange bevor ein Satellit seinen Orbit erreicht. Entscheidend ist bereits die Konstruktionsphase, in der Ingenieurinnen und Ingenieure Maßnahmen treffen können, um unerwünschte Reflexionen und Funkemissionen zu begrenzen.
„Weltraumorganisationen, Forschung und Industrie müssen ihr Fachwissen bündeln, um Satelliten zu entwickeln, die deutlich weniger Störungen verursachen. Wir müssen neue Technologien, Materialien und bewährte Verfahren entwickeln, damit Satelliten harmonischer mit astronomischen Beobachtungen koexistieren können“, sagt Jan.
„Dazu gehört ein breites Spektrum an Maßnahmen: dunklere Oberflächen von Raumfahrzeugen, funkstille Elektronik sowie Modelle, die Ingenieurinnen und Ingenieuren helfen zu verstehen, wie ihre Satelliten für Teleskope auf der Erde erscheinen werden.“
Quelle: ESA Newsroom