ESA verstärkt den Schutz vor Störungen der Satellitennavigation

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Die Europäische Weltraumorganisation ESA treibt neue Verfahren voran, um Störungen globaler Satellitennavigationssysteme schneller zu erkennen und besser einzuordnen. Hintergrund ist die wachsende Abhängigkeit von GNSS-Diensten in Verkehr, Notfallversorgung, öffentlicher Sicherheit und kritischer Infrastruktur.

Nach Angaben der ESA ermöglichen satellitengestützte Navigationsdienste rund zehn Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts. Gleichzeitig nehmen gezielte Störungen deutlich zu: Im zweiten Quartal 2025 waren weltweit mehr als 10.000 Schiffe von mutmaßlich bösartigen GNSS-Interferenzen betroffen. Das entspricht einem erheblichen Anstieg gegenüber dem Vorquartal.

GNSS-Signale können durch Jamming überlagert oder durch Spoofing bewusst verfälscht werden. Auch natürliche Einflüsse, etwa Weltraumwetter und geladene Teilchen in der Ionosphäre, können Signale stören oder verzögern. Die Folgen reichen von Navigationsproblemen an Land, in der Luft und auf See bis hin zu Risiken für Stromnetze, Rettungssysteme und andere sicherheitsrelevante Anwendungen.

Die ESA sieht die Widerstandsfähigkeit der Satellitennavigation daher als zentrale Aufgabe. Als Systementwicklungsauftragnehmerin der Europäischen Union arbeitet sie daran, bestehende Systeme wie Galileo und EGNOS robuster zu machen. Ergänzend fördert sie neue Technologien, mehrschichtige Systemansätze und Praxistests wie den Jammertest.

Im Mittelpunkt stehen derzeit drei Vorhaben des Navigation Innovation and Support Programme (NAVISP). Das von SINTEF entwickelte System ARFIDAAS überwacht Galileo-, GPS- und GLONASS-Frequenzen nahezu in Echtzeit und kann Störungen erkennen, analysieren und Warnungen auslösen. Messstationen in Amsterdam und Trondheim trugen bereits dazu bei, starke GNSS-Störereignisse mit Auswirkungen auf Europa, Grönland und Kanada zurückzuverfolgen.

Ein zweites Projekt der österreichischen Dimetor GmbH nutzt GNSS-Empfänger an Mobilfunkmasten, um Jamming und Spoofing großflächig zu erfassen. Dadurch könnten künftig kontinuierliche Störungskarten auf Landesebene entstehen. Der Ansatz ergänzt bisherige Meldungen aus der Luftfahrt und soll Behörden sowie Diensteanbieter bei der Sicherung verlässlicher Positionsdienste unterstützen.

Das Schweizer Start-up onocoy kombiniert künstliche Intelligenz mit einem dezentralen Netzwerk von Referenzstationen. Ziel ist es, manipulierte von echten GNSS-Signalen zu unterscheiden und hochgenaue Ortungsdienste für Verkehr, Logistik und autonome Systeme besser zu schützen. In einer ersten Projektphase wurden simulierte und gesammelte Spoofing-Daten ausgewertet, um KI-Modelle zu trainieren.

Nach Einschätzung der ESA können solche Lösungen dazu beitragen, Störungen schneller zu lokalisieren, Bedrohungsmuster aufzubauen und die langfristige Verfügbarkeit präziser Positions-, Navigations- und Zeitdienste zu sichern. Davon profitieren insbesondere kritische Dienste, die auf zuverlässige GNSS-Daten angewiesen sind.

NAVISP wurde 2016 als optionales ESA-Programm eingerichtet und wird von 20 Staaten unterstützt. Es fördert Innovationen im Bereich Positionierung, Navigation und Zeitbestimmung, stärkt industrielle Kompetenzen in Europa und Kanada und unterstützt Mitgliedstaaten bei nationalen Strategien.

 

 

Quelle: https://www.esa.int/Applications/Satellite_navigation/No_signal_left_behind_new_ways_to_detect_jamming_and_spoofing