Gemeinsam gegen Weltraumschrott: 9. European Conference on Space Debris in Bonn

Distribution of space debris around Earth
© ESA 432604

Weltraumschrott ist eine zunehmende Gefahr für unsere Infrastruktur im All. Um diesem Problem wirksam begegnen zu können, treffen sich vom 1. bis 4. April 2025 mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 30 Ländern auf der 9. European Conference on Space Debris. Sie wird von der Europäischen Weltraumorganisation ESA mit Unterstützung der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) organisiert und findet im World Conference Center in Bonn statt.

Es handelt sich um die größte Internationale Konferenz, die sich ausschließlich mit Forschung rund um Weltraumschrott befasst. Dabei wird ein breites Spektrum an Themen behandelt. Dazu gehören Technologien zur Erfassung von Weltraumschrott und dessen Verfolgung, die Herausforderungen durch eine immer höhere Zahl aktiver Raumfahrzeuge oder auch Aspekte des Wiedereintritts von Weltraummüll in die Erdatmosphäre.

„Weltraumschrott ist ein großes Problem. Die beste Strategie ist, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen. Wir müssen Raumfahrt nachhaltiger gestalten, um unsere Infrastruktur im All zu schützen. Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR mit der Unterzeichnung der Zero Debris Charter ihr Engagement für eine nachhaltige Raumfahrt bekräftigt. Zudem beteiligt sich Deutschland an zahlreichen Projekten für die Vermeidung von Weltraumschrott“, sagt Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

Die Zero Debris Charter ist eine Übereinkunft die von rund 40 Akteuren der europäischen Raumfahrtbranche erarbeitet und bis jetzt von über 100 Akteuren weltweit unterzeichnet wurde. Sie definiert Leitlinien, wie die Risiken zur Entstehung von weiterem Weltraumschrott bis kontinuierlich 2030 reduziert werden soll.

Grenzen für die Nutzung des Erdorbits

Auf der Konferenz werden unterschiedliche Fragen diskutiert: Wie entwickelt sich Weltraumschrott bei immer weiter zunehmendem Verkehr im All? Wo liegen die Grenzen für die Nutzung des Erdorbits? Gleichzeitig werden neue Konzepte und Technologien zur Vermeidung von weiterem Weltraumschrott ermittelt.

Ein weiteres wichtiges Thema ist, wie die vielen Raumfahrtaktivitäten besser aufeinander abgestimmt werden können, damit Satelliten sicher im Orbit betrieben werden, ohne Gefahr zu laufen, mit anderen Satelliten zu kollidieren. Dazu zählt auch der Einsatz neuer Technologien zur Erfassung und Bahnbestimmung von Satelliten und Weltraumschrott – sei es mit Radaren, Teleskopen oder Lasern.

Zudem werden auch neue Fragestellungen behandelt, wie der Einfluss von Raumfahrt auf die Astronomie und Weltraumrückstände in den Umlaufbahnen um den Mond.

„Mit der starken Zunahme von Raumfahrtaktivitäten in den letzten Jahren sind die Fragestellungen zu den Umweltauswirkungen im Orbit und für die Erde zunehmend komplexer und drängender geworden. Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR engagiert sich daher weiter aktiv dafür, dass diese Themen erforscht werden“, betont Dr. Manuel Metz, Experte für Weltraumschrott in der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

Hintergrund-Info: Weltraumschrott

Weltraumschrott, im Englischen als „Space Debris“ bezeichnet, umfasst alle von Menschen produzierten Objekte, die sich in einer Erdumlaufbahn befinden, aber keine Funktion erfüllen. Typische Beispiele sind ausgediente Raketenoberstufen und abgeschaltete Satelliten, aber auch das verlorene Werkzeug eines Astronauten gehört dazu. Den größten Beitrag machen Trümmerteile aus, die durch Explosionen, das Auseinanderbrechen von Raumfahrzeugen oder Kollisionen im Orbit entstehen.

Derzeit umkreisen etwa 40.000 erfasste und katalogisierte Objekte mit einem Durchmesser von mindestens zehn Zentimetern die Erde. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen Modelle wie das in Deutschland entwickelte ESA-MASTER-Modell (Meteoroid and Space Debris Terrestrial Environment Reference), um die Gesamtzahl kleinerer Teile abzuschätzen. Ihren Berechnungen zufolge befinden sich etwa eine Million Objekte, die größer als ein Zentimeter sind, und rund 130 Millionen Teilchen mit einer Größe von über einem Millimeter in der Erdumlaufbahn.

In den letzten Jahren gab es ein beispielloses Wachstum von Objekten im Weltraum, vor allem bei kleinen und kommerziellen Satelliten in erdnahen Umlaufbahnen. Damit steigt aber auch die Menge an Weltraumschrott. Von den 40.000 Objekten im Orbit, die die Forschende verfolgen, sind knapp 11.000 funktionale Raumfahrzeuge.

Schon kleinste Teile des Weltraumschrotts, die mit bis zu 28.000 Kilometern pro Stunde in ihrer Umlaufbahn unterwegs sind, können ein einsatzfähiges Raumfahrzeug ernsthaft beschädigen oder zerstören. Teile, die größer als zehn Zentimeter sind, verursachen bei einer Kollision massive Schäden. Im schlimmsten Fall würden gefährliche Trümmerwolken freigesetzt, die wiederum weitere katastrophale Kollisionen in einer Kettenreaktion verursachen können. In diesem Fall wären Teile des Erdorbits nicht mehr nutzbar. Ein solcher Vorfall, das sogenannte Kessler-Syndrom, würde den Alltag stark einschränken, da beispielsweise die Kommunikation oder Navigation massiv gestört oder gar ausfallen würde.

Mit dem German Experimental Surveillance and Tracking Radar (GESTRA) entwickelt das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik im Auftrag der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR ein System zur Erfassung und Bahnverfolgung von Weltraumschrott. Die Daten des Systems werden im Deutschen Weltraumlagezentrum in Uedem verarbeitet. Neben Forschungszwecken dienen sie auch dem Schutz von Satelliten im Orbit vor drohenden Kollisionen. Um die Bahnen von Weltraumobjekten noch genauer vermessen zu können, hat die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR jüngst die Beschaffung von drei neunen Sensoren zu diesem Zweck gestartet.

 

Quelle: https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2025/gemeinsam-gegen-weltraumschrott-9-european-conference-on-space-debris-in-bonn

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