Die ESA hat die nächste Phase der Technologieentwicklung für IRIS² eingeläutet und 17 Verträge mit einer breiten Palette von europäischen Raumfahrtakteuren geschlossen, darunter neue Marktteilnehmer und KMU, einschließlich Alcyon, SpaceLocker, CybExer, EDGX, Freezz und Sateliot, Midcaps, einschließlich GMV, Creotech und Arquimea, Forschungseinrichtungen, einschließlich TNO, sowie etablierte Industrieakteure, einschließlich Thales, Indra, Sener und OHB. Hinzu kommt ein Vertrag mit Hispasat, dem Mitglied des SpaceRISE-Konsortiums, das die Zulieferungen der neuen Partner im SpaceRISE-Programm koordinieren soll.
Die Vereinbarungen konzentrieren sich auf die Bewertung und Weiterentwicklung von Konzepten für eine niedrige Erdumlaufbahn (Low-LEO), widerstandsfähige Kommunikationsverbindungen sowie quantenresistente kryptografische Nutzlasten. Der Arbeitsumfang der 17 ESA-Low-LEO-Konsolidierungsverträge umfasst die Definition von Anwendungsfällen, die Bestätigung von Nutzerbedarfen, die Konsolidierung von Dienstanforderungen, die Entwicklung und Bewertung von Missionskonzepten und Architekturen für die Bereitstellung solcher Dienste sowie die Vorbereitung des Implementierungs- und In-Orbit-Validierungsansatzes, zusammen mit weiteren kritischen Aspekten wie Sicherheit, Zugang zu Frequenzspektrum und Zugang zum Weltraum. Die meisten der vorgeschlagenen Aktivitäten sind nach Angaben der ESA bereits ausgereift, benötigen jedoch eine Konsolidierungsphase, um kombinierte, optimierte Lösungen zu entwickeln, die in die bestehende IRIS²-Basisversion integriert werden können. Die IRIS²-Low-LEO-Schicht besteht aus zwei komplementären Komponenten:
- Die EU-Low-LEO-Komponente, die von der Europäischen Kommission im Rahmen des bestehenden Konzessionsvertrags mit SpaceRISE geleitet wird, konzentriert sich auf die Entwicklung von Pilotdiensten für das Internet der Dinge (IoT) und Direct-to-Device (D2D) in der Low-LEO-Schicht (<750 km) innerhalb der operativen Umgebung von IRIS².
- Die ESA Low-LEO Pre-Operational Component unter Element 3 des ESA-Programms ergänzt die im Rahmen des Konzessionsvertrags von SpaceRISE entwickelten Fähigkeiten. Sie bietet einen schnellen und wiederkehrenden Mechanismus, um komplementäre staatliche Dienste, sowohl Kommunikations- als auch Nicht-Kommunikationsdienste, zu validieren und die zugehörigen Missionen alle drei Jahre in einem voroperativen Umfeld im Orbit zu demonstrieren, in Ausrichtung auf die ESA-Ministerratszyklen, und unterstützt deren Reifung für eine spätere schnelle Integration in künftige Versionen des IRIS²-Systems.
Mit 20 Millionen Euro unterstützt die ESA die Studien, die erforderlich sind, um die vorgeschlagenen Dienste und die zugehörigen Missionskonzepte vor der Umsetzung weiterzuentwickeln. Dazu gehören die Bestätigung von Nutzerbedarfen, die Konsolidierung von Dienstanforderungen, die Bewertung von Missionsarchitekturen sowie die Behandlung kritischer Aspekte wie Sicherheit, Frequenzspektrum, Zugang zum Weltraum und Validierungsstrategie.
Die anschließende Umsetzung und In-Orbit-Validierung des Basisteils der Dienste und der zugehörigen Missionen, der auf Grundlage der Ergebnisse dieser parallelen Verträge festgelegt wird, wird Gegenstand separater wettbewerblicher ESA-Beschaffungen Anfang 2027 sein. Mit dem auf der MK ´25 von einigen Ländern, nicht von Deutschland, beschlossenen „Element 3“ finanziert die ESA im Prinzip auch eine gewisse Aussicht auf den von der EU-Kommission von Anfang an versprochenen, aber von ihr nie eingelösten Part des Programms, welcher eine mit 30 Prozent signifikante KMU-Beteiligung ankündigte. Die nun anlaufende Studienphase wird voraussichtlich etwa vier bis sechs Monate dauern; Ergebnisse werden im ersten Quartal 2027 erwartet. Diese Ergebnisse werden als Grundlage für die Festlegung der Missionen dienen, die im Zeitraum 2027 bis 2029 umgesetzt werden sollen und letztlich dazu verwendet werden, den Basissatz von Diensten im Orbit bis hin zu einer voroperativen Umgebung bis 2029 zu validieren.
Zu den endgültigen und eben zusätzlichen Kosten der final-operativen Einrichtung von bisher nicht programmatisch seitens SpaceRISE abgedeckten Low-LEO-Diensten ab 2029 durch die genannten KMU und andere Player – und damit auch zu der Frage, ob das neue Low-LEO-Engagement das komplette, derzeit noch 15.600.000.000€ schwere IRIS2-Programm noch einmal so verteuert, dass am Ende tatsächlich 30 Prozent auf KMU entfallen – gibt es zu diesem Zeitpunkt naturgemäß noch keine Angaben, ebenso wenig wie zu den ökonomischen Aussichten für Low-LEO-Dienste außerhalb der kommerziell interessanten Bereiche D2D und IoT, die von SpaceRISE selbst abgedeckt werden.
Inhaltliche Erläuterungen des Fachdirektorats der ESA auf Anfrage von KTR, 21.09.2026