Die einen kratzen an Tesla-Autos herum, die anderen am Image von Starlink. Erstere wollen einfach nur Musk schaden, letztere aus dem Schaden für Musk eigenen Gewinn schöpfen. So greift auch Eutelsat gegenüber französischen Parlamentariern zu Argumenten, die Misstrauen gegenüber dem Amerikaner zu säen geeignet sind, wie Medienkommentare feststellen, und bringt sich vor dem Hintergrund von Gerüchten um Verzögerungen beim Vertragsabschluss zwischen Italien und Starlink mit seiner OneWeb-Konstellation als Alternative ins Spiel, warnt Institutionen und Regierungen, die eigene Kommunikationsfähigkeit von guten Beziehungen zu Elon Musk abhängig zu machen.
Im Falle Italiens geht es um einen 1,5-Milliarden-Dollar-Deal. Meloni hatte dafür schon Vorbereitungen getroffen, um mit Starlink dem eigenen Land vergleichsweise zu Schnäppchenpreisen von heute auf morgen ein rundum funktionierendes Satellitensystem mit geschützten Kommunikationswegen bereitzustellen. KTR berichtete.
Gleichzeitig ist die EU auf der Suche nach einer Alternative zu Starlink in der Ukraine, da sich die Brüsseler Spitzen nicht auf Starlink verlassen wollen – ungeachtet der Tatsache, dass Polen sich mit Starlink ganz normal auf kommerziellem Parkett bewegt, Rechnungen für die Ukraine begleicht und keine Rede davon ist, dass hier irgendjemand den Stecker zieht.
Eutelsat möchte auch hier sein Angebot genau in die Lücke schieben, die die EU-Politik so beständig weiter auskratzt. Dabei ist OneWeb für Starlink in Italien wie in der Ukraine weder technisch noch finanziell eine echte Konkurrenz. Und eine europäische schon mal gar nicht:
Beispiel Terminals – Starlink baut Millionen für Endpreise um 500 Euro, Eutelsat einige zehntausend für Preise ab 3.000 Euro. Beispiel Bedienbarkeit – Starlink ist plug & play, OneWeb komplizierter. Beispiel Belastbarkeit des Netzes – an dieser Stelle kommen Multiorbit-Lösungen ins Spiel und damit auch die Kombi aus der SES-O3b-Konstellation mit ihren mPower-Sats, Eutelsats OneWeb und Geosatelliten: im Prinzip eine heute schon aus aktuellen Beständen realisierbare IRIS2 1.0-Version.
Die allerdings beruht auf einer Lieferkette, welche mit Hughes, Intellian, Kymeta, dazu noch südkoreanischen Chipsätzen und Satellitenantennen aus Kanada sowie allen zugehörigen Komponenten alles andere als europäisch ist und Berichten zufolge einen Lieferalptraum erster Güte beschert. Starlink dagegen als konsumorientiertes Angebot verfügt über eine Produktionslinie, an deren Perfektion die IRIS2-Europäer lange nicht herankommen. Eutelsat gibt dementsprechend auch unumwunden zu, dass der Aufbau einer europäischen Lieferkette das größte Problem von IRIS2 ist, das sich im übrigen auf mindestens 2031 verspätet. Weiteres Beispiel: In der Ukraine hat Eutelsat ein Anti-Jam-System für OneWeb-Terminals entwickelt – gebaut aber haben es u.a. Koreaner und Amerikaner.
Fünf Informationen von Tragweite und Wert sind es, die auf diesen Wegen der nationalen – hier: der französischen – Politik vermittelt wurden:
Erstens: Die Europäer in Gestalt des SpaceRise-Konsortiums sind theoretisch heute schon in der Lage, mit bestehenden Mitteln ein Satellitenkommunikationsnetz auch für sichere institutionelle Nutzung aufzubauen; für ein „IRIS2 1.0“ braucht es die Milliarden von IRIS2 nicht
Zweitens: Dieses Netz würde basieren auf Technologien und Zulieferungen von überall, nur nicht aus Europa, und damit den Ausschluss der europäischen KMU vom Projekt, wie es das Breton´sche EU-Gesetz ermöglicht, rundherum absichern; für „IRIS2 2.0“ ist bisher auch nur eine definitiv nicht-europäische Produktions-/Lieferkette absehbar
Drittens: Dieses Netz wäre weder produktionstechnisch noch anwendungstechnisch und erst recht nicht unter wirtschaftlicher Betrachtung in der Lage, Starlink Konkurrenz zu machen, ABER
Viertens: In der hinreichend maximierten augenblichen Verwirrung mag man offenbar trotz aller eingeräumten k.o.-Kriterien für einen Ersatz von Starlink in Europa durch ein nicht-europäisches System auf Politiker zählen, die sich am Ende über das Gegenteil von dem freuen, was sie am Anfang haben wollten – weil sie es einfach nicht mehr unterscheiden können; die Anleger jedenfalls scheinen die Lage psychologisch unter Kontrolle zu sehen, denn die Börse jubelt Eutelsat zu: der Aktienkurs stieg am 26.3. um 49 Prozent und am 27. März um weitere 6,3 Prozent auf 5,42 Euro und in einer Spitze auf 6,09 Euro.
Fünftens: Für den Beginn des Betriebes von IRIS2 ist jetzt en passant mit „frühestens 2031“ eine weitere Verzögerung in die Welt gesetzt, für deren Folgen irgendwann irgendwer aufkommen muss. Wie für alles andere, das da so Stück für Stück im Lauf der Zeit herauskommt.
Wer mag das sein?
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