Klartext Raumfahrt

Nihil fit sine causa

Kapsel kaputt: Der Mond kann warten

Raumschiff Orion stark beschädigt vom Mond zurück

Im November 2023 brach der NASA-Transporter Orion zum dreiwöchigen Jungfernflug mit Destination Mond auf und kehrte auch planmäßig wieder zurück – allerdings nicht, wie sich jetzt herausstellte, in einem Zustand, der den Mitgliedern künftiger Besatzungen der Kapsel eine uneingeschränkt optimistische Sicht auf ihre Mondmission bescheren würde.

Denn rund ein Jahr, nachdem NASA-Chef Bill Nelson die erste Crew der Artemis II-Reise – Christina Hammock Koch (USA), Jeremy Roger Hanson (Kanada), Victor Glover (USA) und Reid Wiseman (USA) – vorgestellt hatte, schlug nach Abschluss eingehender Untersuchungen des Raumschiffs Orion die Behörde des NASA Generalinspekteurs Alarm: Die Kapsel war in einem desolaten Zustand zurück gekehrt. Besonders diese Punkte bereiten der NASA ein gewisses Kopfzerbrechen:

  • an über einhundert Stellen wies der Hitzeschild stark ausgeprägte Risse auf,
  • abgebrochene Teile des Hitzeschilds hatten, statt sich aufzulösen, eine lange Trümmerspur hinter sich hergezogen
  • den Separationsbolzen war anzusehen, dass sie hitzebedingt ein anderes als das geplante Verhalten an den Tag gelegt hatten
  • eventuell deutlich stärkere als die vermutete Strahlung im Raum hatte Probleme mit der Energieversorgung ausgelöst
  • beim Start demolierte die SLS-Rakete mit Orion die Abschussrampe so sehr, dass mit 26 Millionen Dollar fünfmal soviel Geld für Reparatur und neue Teile aufgewendet werden musste, als man zuvor ausgerechnet hatte.

Jedes dieser Probleme hätte zu ernsthaften Schwierigkeiten für eine Crew an Bord bis hin zu ihrem vollständigen Verlust führen können. Die Trümmerteile etwa hätten die Funktion der Fallschirmsysteme beeinträchtigen können, die Überhitzung der Separationsbolzen hätte zu ungewollten Deformationen und entsprechenden Konsequenzen führen können, Kapriolen der Elektrik könnten zumindest theoretisch wichtige Bordsysteme beeinflussen. Und wenn das Abheben der auf 98,75 Meter verteilten 2.600 Tonnen Lebendgewicht die Startplattform derart lädiert, könnte Houston schon ein Problem haben, noch bevor die Kapsel den Weltraum erreicht.

Als Konsequenz wird die erste Crewmission, Artemis II, wohl nicht mehr 2024 starten. Der Mond kann warten.

Bericht des NASA-Generalinspekteurs:

https://oig.nasa.gov/wp-content/uploads/2024/05/ig-24-011.pdf