Jüngst trat das in München ansässige Startup für Weltraumsicherheitstechnologie Project-S an die Öffentlichkeit und gab eine Seed-Finanzierung in Millionenhöhe für sein System für intelligentes Weltraumverkehrsmanagement bekannt. Das Besondere daran: Es ist das erste Konzept Europas, welches mit seiner Echtzeitbeobachtung direkt im Orbit dem Stargaze-System von SpaceX auf Augenhöhe begegnet und es obendrein noch bei der Erfassung auch kleinster Schrottteilchen übertrifft. Denn Projekt-S entwickelt weltraumgestützte Radarnutzlasten, Analysen mit künstlicher Intelligenz und Entscheidungsunterstützungssoftware, die darauf ausgelegt sind, Weltraumschrott auch im Subzentimeterbereich zu erfassen und Satellitenbetreiber bei der operativen Kollisionsvermeidung zu unterstützen.
Systemarchitektur und technische Parameter
Die integrierte Architektur für Space Situational Awareness (SSA) ist darauf ausgelegt, auch nicht klassifizierte Bedrohungen durch Weltraumschrott in überfüllten Umgebungen des niedrigen Erdorbits (LEO) zu überwachen. Der technische Rahmen kombiniert Hardware- und Softwareschichten über vier zentrale operative Bereiche hinweg:
- Weltraumgestützte Radarnutzlasten: Orbitale Radarsensoren, die darauf ausgelegt sind, kleine Trümmerobjekte bis in den Millimeterbereich zu erkennen und zu verfolgen, die terrestrische optische Systeme und bodengestützte Radarnetze umgehen.
- KI-gestützte orbitale Intelligenz: Automatisierte Datenverarbeitungsalgorithmen, die präzise Ephemeridenvorhersagen, Bewertungen von Annäherungsrisiken und Echtzeit-Kartierungen orbitaler Bedrohungen erzeugen.
- Entscheidungsunterstützungssysteme: Integrierte Kommando- und Kontrollsoftware, die kommerziellen und staatlichen Konstellationsbetreibern automatisierte Empfehlungen für Kollisionsvermeidungsmanöver bereitstellt.
- Integration von Beseitigungsmaßnahmen: Langfristige Technologieentwicklung mit dem Ziel, Systeme zur aktiven Entfernung von Weltraumschrott (ADR) einzusetzen, um risikoreiche Weltraumobjekte zu erfassen oder zum Wiedereintritt zu bringen.
Kapitalstruktur und institutionelle Unterstützung
Die erste Finanzierungsrunde des Unternehmens wurde von der Risikokapitalgesellschaft Uni.Fund II geleitet und durch nicht verwässernde öffentliche Fördermittel aus deutschen Bundesinnovationsinitiativen, bayerischen Technologiefonds und Inkubatorprogrammen der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) ergänzt.
Der öffentliche Start positioniert Project-S neben dem wachsenden Münchener Cluster für Weltraumsicherheit, zu dem auch der von der ESA unterstützte Anbieter für orbitales Verkehrsmanagement Vyoma gehört. Die Kombination aus privatem Risikokapital und europäischen öffentlichen Innovationszuschüssen wird erste Bodentests der Nutzlasten, die Softwareintegration und Pilotkampagnen mit kommerziellen Satellitenbetreibern finanzieren.
Strategischer langfristiger Ausblick
Project-S wird die Kapitalspritze nutzen, um sein Ingenieurteam in München zu erweitern und Prototypen von Radarnutzlasten in Richtung orbitaler Flugqualifikation voranzubringen. Da der Aufbau von Satellitenkonstellationen weiter beschleunigt wird, strebt das Unternehmen den Aufbau eines operativen weltraumgestützten Beobachtungsnetzes an, das internationalen zivilen Raumfahrtagenturen, Verteidigungsorganisationen und kommerziellen Flottenmanagern hochfrequente Tracking-Daten liefert.