NRW: Ein weiteres Bundesland fliegt auf die Raumfahrt

NRW Flagge

Nach Bayern, Baden-Württemberg, Bremen und neuerdings auch Sachsen hisst nun ein weiteres Bundesland seine Flagge im All: Nordrhein-Westfalen.

Vor dem Hintergrund wertvoller Erfahrungen mit massivem Strukturwandel über Jahrzehnte ist die Regierung des bevölkerungsreichsten Bundeslandes fest entschlossen, ausgefeilte und dabei sehr stabile Grundlagen für die Etablierung des Landes als Raumfahrtstandort für Deutschland und Europa zu schaffen. Im Fokus stehen dabei sowohl branchenfremde Unternehmen, die den Einstieg in die Raumfahrt suchen, als auch neu ansiedelnde Startups ebenso wie etablierte KMU.

Auf Basis entsprechend detaillierter Standortanalyse verspricht die Landesregierung konkrete Maßnahmen, um den Raumfahrtindustriestandort Nordrhein-Westfalen gezielt auszubauen. Diese werden hier umfassend dargelegt, um insbesondere etablierten Raumfahrt-KMU, die weiteren Standorte ins Auge fassen, mögliche Ansatzpunkte für eine NRW-Orientierung nahezubringen.

 

1. Förder- und Finanzierungsinstrumente

  • Entwicklung eines öffentlich-privaten Förderclusters mit einer Initialfinanzierung von 10 Mio. € über das MWIKE (inkl. EFRE-Anteil), um regionale Zentren (Köln/Bonn, Aachen, Münster, Ruhrgebiet) in ein leistungsfähiges Raumfahrt-Netzwerk einzubinden
  • Ausbau bestehender Förderinstrumente, z. B. das ESA Business Incubation Centre (BIC) NRW stärker finanzieren (100.000 € pro Start-up, mind. 25 Unternehmen/Jahr; Landesfonds 5 Mio. €/Jahr plus 5 Mio. private Kofinanzierung)
  • Einführung eines „Space-Transfer-Gutscheins NRW“ (bis zu 100.000 €/Projekt) sowie eines Matching-Fonds „New Space NRW“ (30 Mio. €, hälftig privat kofinanziert)
  • Einrichtung eines Convertible Loan Fonds nach britischem Vorbild zur Unterstützung junger Technologieunternehmen
  • Schaffung eines Förderfensters für KMU und Start-ups („Space.Invest.NRW“) mit bis zu 500.000 € je Projekt
  • Einführung eines NRW-Förderprogramms „Secure.Downstream.SPACE“ (Hackathons, Kooperation mit DLR, Erweiterung „Stern-Programm“ in Aachen)
  • Aufbau eines „Innovationspools Raumfahrt.NRW“ (Industriekonsortien + öffentliche Hand, 5 Projekte/Jahr mit 2–4 Mio. €)
  • Steuerliche Innovationsanreize für KMU prüfen (bessere Nutzung Forschungszulagenmodell)

 

2. Forschungs- und Technologieinfrastruktur

  • Errichtung eines Landesdatenzentrums für satellitengestützte Umwelt- und Krisendaten (inkl. Pilotprojekte mit BBK: Hochwasser-Frühwarnsystem, satellitengestützte Verkehrsmodellierung)
  • Schaffung eines Technologiezentrums für In-Orbit-Servicing, robotergestützte Reparatur und Prototypenprüfung
  • Erweiterung des SpaceHub.NRW in Köln zu einem umfassenden Technologietransferzentrum für Raumfahrt
  • Einrichtung eines Zentrums für Quanten- und Hochsicherheitsanwendungen in der Satellitenkommunikation (in Kooperation mit Bundeswehr, BSI, BBK, ESA)
  • Ausbau der Infrastruktur für KI-gestützte Erdbeobachtungsdatenanalyse
  • Weiterentwicklung des ESA BIC NRW (u. a. Standort Herten und der im Aufbau befindliche Standort in Köln) sowie Etablierung eines NRW-Ablegers des Space Innovation Hub (DLR)
  • Förderung des Wissens- und Technologietransfers (in Anlehnung an die Hightech Agenda des Bundes) zwischen Innovationsakteuren durch gezielte Programme wie EXIST und ZIM, die auch Raumfahrtakteuren und Gründern offenstehen, um die Umsetzung innovativer Ideen zu beschleunigen

 

3. Strategische und politische Maßnahmen

  • Aktive Beteiligung NRWs an der Umsetzung des EU-Weltraumgesetzes und neuer europäischer Raumfahrtstrategie (resiliente Infrastrukturen, Trümmervermeidung, Cybersicherheit, nachhaltige Nutzung der Umlaufbahnen, Regulierung an Praxisanforderungen orientieren)
  • Förderung eines Landesprogramms zur Transformation von Schlüsselindustrien in Raumfahrt-Zulieferketten, inkl. Matching-Fonds für industrielle F&E- Kooperationen (bis 250.000 €)
  • Einführung von Raumfahrt-Wirtschaftsattachés zur Akquise von Investoren und Unternehmen
  • Integration von raumfahrtgestützten Anwendungen in den nachhaltigen Strukturwandel der Bergbauregionen
  • Einrichtung einer Landesstelle für die Ausschöpfung europäischer Fördermittel (Horizon Europe, EIC Pathfinder, EDF)
  • Eine systematische und fortlaufende Datenerhebung zur Wertschöpfung der Raumfahrtwirtschaft in NRW etablieren (Potentiale/Alleinstellungsmerkmale)
  • Auf Grundlage dieser Datenbasis – in enger Abstimmung mit wissenschaftlicher und industrieller Expertise – ein landesspezifisches Schwerpunkt- und Profilierungskonzept entwickeln

 

4. Netzwerk, Sichtbarkeit und Markenbildung

  • Schaffung eines „Dual-Use Kompetenzzentrums Raumfahrt“ in Kooperation mit DLR, Bundeswehr (Weltraumkommando, Kommando CIR), BBK, ESA und Forschungseinrichtungen
  • Aufbau eines multilateralen Raumfahrtnetzwerks mit Institutionen aus den BENELUX-Staaten und anderen europäischen Raumfahrtregionen inklusive Ausrichtung eines zweijährlichen Space Summits
  • Bewerbung um weitere EU-Projekte (Vorbild GovSatCom/IRISS)
  • Vernetzung und Abstimmung mit anderen Bundesländern und europaweit, Partnerschaften aufbauen
  • Bewerbung NRWs um ein ESA-Flagship-Projekt (z. B. Quantenkommunikation, Orbital Logistics, Dual-Use-Datenplattform)
  • Einführung einer Dachmarke „Allstars NRW“ für Unternehmen und eines Technologieatlas Raumfahrt.NRW

 

Quellen: