Orbitale Datenzentren: Europa studiert sie – Musk baut sie

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Zum Konzept orbitaler Rechenzentren meldete sich jüngst die Investmentbank BNP Paribas mit einer umfassenden Analyse zu Wort, die das Potenzial solcher Einrichtungen anerkennt, aber gleichzeitig die derzeitigen wirtschaftlichen Hürden betont.

Laut BNP Paribas müssen die Startkosten auf unter 300 US-Dollar pro Kilogramm fallen, damit orbitale Rechenzentren wirtschaftlich tragfähig werden – aktuell liegen die Preise zwischen 1.500 und 3.600 US-Dollar pro Kilogramm. Der Bau einer orbitalen 1‑GW‑Anlage würde bei den derzeitigen Raten mehr als 100 Milliarden US-Dollar kosten, terrestrische Äquivalente erfordern hingegen Investitionen zwischen 35 und 50 Milliarden US-Dollar.

BNP-Paribas-Analyst Nick Jones hält orbitale Rechenzentren kurzfristig bis mittelfristig nicht für eine „tragfähige Lösung“. Als Hauptgründe nannte er die prohibitiv hohen Startkosten, die teuren weltraumtauglichen Komponenten sowie die komplexen Herausforderungen im Hinblick auf Wärmemanagement und Energieversorgung im Orbit.

Der Antrieb für den Aufbau orbitaler Infrastruktur resultiert vor allem aus dem enormen Energiebedarf der künstlichen Intelligenz. Terrestrische Rechenzentren verbrauchen inzwischen beispiellose Mengen an Strom. Laut Angaben des US-Energieministeriums verbrauchten Rechenzentren in den USA im Jahr 2023 rund 4,4 % der gesamten Stromerzeugung des Landes.

McKinsey prognostiziert, dass die globale Rechenzentrumsinfrastruktur bis 2030 Kapitalinvestitionen von 6,7 Billionen US-Dollar erfordert, um den steigenden Bedarf zu decken. Die Investitionsausgaben im Technologiesektor werden für 2026 auf 600 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei Amazon allein 200 Milliarden US-Dollar beisteuern will.

Elon Musk dagegen sieht weltraumgestützte Recheninfrastruktur als elementar für die langfristige Vision von SpaceX an. Er prognostizierte, dass der Orbit innerhalb von 30 bis 36 Monaten der „wirtschaftlich attraktivste Standort“ für KI-Systeme sein werde. SpaceX plant, eine Million Satelliten als orbital arbeitende Recheneinheiten zu betreiben, wobei jeder Satellit etwa 100 Kilowatt Rechenleistung pro Tonne liefern soll.

Musks Argumentation ist faszinierend einfach: Für die Rechenzentren der Zukunft wird auf der Erde jenseits von China nicht genügend Energie erzeugt werden. Daher sind Kostenargumente zweitrangig, die Sache selbst verlangt alles.

SpaceX hat die erste Planungsphase konsequenterweise bereits hinter sich gelassen. Michael Nicolls, Vizepräsident für Starlink Engineering, gab auf X bekannt, dass SpaceX „zahlreiche wichtige Ingenieurstellen“ zur Unterstützung der Entwicklung von Rechenzentren im All besetzt, darunter die Position eines Space Lasers Engineer in Redmond, Washington. Zusammen mit Musks KI-Unternehmen xAI sieht SpaceX dabei den Aufbau orbitaler KI-Infrastruktur als strategisches Langfristziel.

Im November 2025 brachte das von Nvidia unterstützte Unternehmen Starcloud erfolgreich die erste Nvidia H100 GPU an Bord einer SpaceX Falcon 9 in den Orbit. Der Starcloud-1-Satellit wog etwa 60 Kilogramm – so viel wie ein kompakter Kühlschrank.

Die langfristige Vision von Starcloud umfasst ein orbitales 5-Gigawatt-Rechenzentrum mit etwa vier Kilometern Länge, das über große Solarfelder und ausgeklügelte Wärmemanagementsysteme verfügt.

BNP Paribas betont, dass Innovationen bei Bodenkommunikation, Kühlung und Solarstromerzeugung im Laufe der Zeit die Betriebskostenlücke zwischen orbitalen und terrestrischen Rechenzentren verringern könnten.

Im übrigen ist bei allen Kostenrechnungen noch ein weiterer Vorteil für SpaceX einzurechnen: Die Startpreise für normale Kunden müssen nicht viel gemeinsam haben mit jenen, die SpaceX für SpaceX kalkuliert.

Es ist also wie immer: Europa trägt die Bedenken, Musk schultert die Aufgabe.

Quelle: https://parameter.io/tech-giants-google-amazon-and-meta-eyed-for-orbital-data-center-trials/