Klartext Raumfahrt

Nihil fit sine causa

Welträume zwischen Alter und Neuer Welt

Europa

In der Eröffnungsrede der dritten Jahrestagung des Weltraumsicherheitsforums, ausgerichtet vom Spacepower Advantage Center of Excellence des Mitchell Institute of Aerospace in Arlington, Virginia, zeichnete General Chance Saltzman, Chef der US Space Forces, ein klares Bild zur Lage und Herausforderung. Im Kern hob er dabei auf folgende Punkte ab:

  • Es gibt einen dramatischen Anstieg der Nutzung des Weltraums durch militärische Konkurrenten und eine entsprechende Zunahme von Gefahren und Gefährdungen in den letzten Jahren.
  • Eine enorme Vielfalt von Bedrohungen beherrscht die Szenerie, darunter weltraumgestützte GPS-Störsender, Antisatellitenwaffen (ASATs) und Cyberangriffe auf US-Bodenstationen und Weltraumanlagen.
  • Sowohl Russland als auch China nutzen in zunehmendem Maße weltraumgestützte Aufklärungs- und Überwachungskapazitäten (ISR), um die Zielgenauigkeit ihrer präzisionsgelenkten Munition zu verbessern.
  • Überlastung und Wettbewerb in diesem Bereich haben zu einem wachsenden Risiko für den autonomen Zugang der USA zum Weltraum und ihrer Operationen darin geführt; angesichts dieses Risikos wurde mit der Space Force ein Militärdienst gegründet, der sich auf die Herausforderungen und Chancen der Nutzung des Weltraums kapriziert; in der US-Militärdoktrin bedeutet das ganz simpel: So wie die Marine, das Heer und die Luftwaffe die Überlegenheit der USA zu Wasser, zu Lande und in der Luft aufrechterhalten, muss das auch die Space Force im Weltraum schaffen.
  • Die Space Force konzentriert sich darauf, operative Überraschungen zu vermeiden, potenziellen Gegnern die Möglichkeit zu nehmen, im Weltraum effektiv zuzuschlagen und verantwortungsvolle Gegenkampagnen im Weltraum durchzuführen.
  • Nur durch ein diszipliniertes Streben nach Weltraumüberlegenheit kann die Space Force sicherstellen, dass die USA und ihre Verbündeten und Partner den Frieden haben, den sie sich wünschen, und insbesondere, dass allen der Zugang zum und die Nutzung des Weltraums offenbleibt.
  • Diese drei Dinge erlauben den gemeinsamen Streitkräften, strategische Rivalen effektiv zu bekämpfen, ohne die Sicherheit, die Stabilität und die Nachhaltigkeit der Domäne zu gefährden.
  • Das, so General Saltzman, ist die Logik der Weltraumüberlegenheit und der Grund, warum sie für die gemeinsamen Streitkräfte so wichtig ist – denn wer im Weltraum nicht bestehen kann, verliert auch auf der Erde.

In der EU kam der Gedanke an eine notwendige Verstärkung und Sicherung der eigenen Fähigkeiten im All im Frühjahr 2022 nach dem russischen Angriff auf, und es dauerte ziemlich genau ein Jahr, bis die Kommission zusammen mit dem Hohen Repräsentanten die erste „Strategie der EU zu Sicherheit und Verteidigung im Weltraum“ vorstellte. Mit der Strategie wird anerkannt, dass der Weltraum für das tägliche Leben und insbesondere für Verteidigung und Sicherheit von entscheidender Bedeutung ist. Sie schlägt vor, Weltraumsysteme und -dienste besser zu schützen und die Nutzung von Weltraumsystemen für Sicherheit und Verteidigung zu maximieren, wodurch die Rolle der EU als globale Weltraummacht gestärkt wird.

Die wichtigsten Säulen der Strategie sind:

  • Gewährleistung eines gemeinsamen Verständnisses der Bedrohungen aus dem Weltraum;
  • Stärkung der Resilienz und des Schutzes von Raumfahrtsystemen und -diensten in der EU;
  • Stärkung der kollektiven Fähigkeit der EU, auf Angriffe und Bedrohungen zu reagieren, die die Sicherheitsinteressen der EU gefährden;
  • Entwicklung von Dual-Use-Kapazitäten;
  • Förderung globaler Partnerschaften.
  • Die EU wird auch ihre technologische Souveränität stärken, indem sie strategische Abhängigkeiten verringert und relevante Lieferketten sichert, Synergien zwischen Raumfahrt und Verteidigung fördert und die Kompetenzen der EU-Verteidigungs- und Raumfahrtindustrie verbessert.

Während also die USA allen Strategien und konkreten Aktivitäten schlicht das eine Wort von der „Überlegenheit“ als conditio sine qua non voranstellen und sich so alles andere in eine geordnete Phalanx von klaren Zielen und logischem Handlungsbedarf fügt, besteht nach Einschätzung der EU-Führung zunächst einmal die Notwendigkeit, ihren Mitgliedern beizubringen, worum es eigentlich geht. Wenn es tatsächlich stimmt, dass das überhaupt notwendig ist, kann das dauern. Und alles andere, was dann an Praktischem folgen soll, erst recht – siehe IRIS2. Mit viel Glück bleibt es bis dahin dabei, dass Ramstein weiterhin als Zentrale der amerikanischen Space Forces für die Bereiche Europa und Afrika fungiert, während Europa sich sortiert.

Es trennt eben nicht nur ein Atlantik die Alte von der Neuen Welt.

Quellen:

https://defence-industry-space.ec.europa.eu/eu-space-policy/eu-space-strategy-security-and-defence_en

https://www.spaceforce.mil/News/Article-Display/Article/3725237/cso-speaks-on-logic-of-space-superiority-at-mitchell-institute/

https://www.airandspaceforces.com/space-force-space-domain-awareness-saltzman/